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Ein Geschenk ist dann nachhaltig, wenn es benutzt wird. Eine Bambuszahnbürste, die niemand benutzt, hilft niemandem, ein gutes Messer, das zwanzig Jahre lang jeden Abend in der Hand liegt, dagegen schon. Erst danach kommen Material, Siegel und Verpackung. Hier liest du, wie du eine gute Wahl triffst, welchen Siegeln du trauen kannst, woran du seit Herbst 2026 Greenwashing leichter erkennst und welche Ideen zu wem passen.
Die wichtigste Frage kommt vor dem Siegel
Der WWF rät, nur zu schenken, was wirklich geschätzt und genutzt wird. Dazu empfiehlt er einen einfachen Test. Stell dir vor, du bekommst das Geschenk selbst, und frag dich, wo es in einem Monat wäre. Lautet die Antwort im Schrank oder im Müll, brauchst du eine neue Idee.
Wie viel davon abhängt, hat die französische Umweltagentur ADEME 2022 untersucht. In Frankreich gehen danach 57 Prozent der Treibhausgase rund um die Feiertage auf Geschenke zurück, mehr als auf alles andere zusammen. Außerdem schätzt die Agentur, dass in Frankreich jedes Jahr mindestens 12 Millionen Geschenke als unnütz empfunden werden.
Zur Einordnung
Die Feiertage machen nach derselben Studie nur etwa ein Prozent der Jahresemissionen eines Menschen in Frankreich aus. Ein falsches Geschenk ist also kein Weltuntergang.
Quelle 2Auch das Umweltbundesamt betont, dass für die eigene Jahresbilanz Heizen, Autofahren und Ernährung mehr ausmachen als Baum, Braten oder Geschenkpapier.
Woran du ein nachhaltiges Geschenk erkennst
Es wird genutzt. Am besten oft und lange. Verbrauchbares wie Kaffee, Seife oder selbst gekochte Marmelade zählt auch, solange es aufgebraucht wird.
Es hält. Greenpeace rät zu langlebigen Dingen, statt jedes Jahr die neueste Version von etwas zu schenken, das die Person schon hat. Ein Holzbrett mit tiefen Rillen lässt sich laut Verbraucherzentrale abschleifen und weiter benutzen, ein zerkratztes Kunststoffbrett nicht.
Es ist fair und schadstoffarm hergestellt. Hier helfen Siegel. Bei Spielzeug und Plastikprodukten rät der BUND zur Vorsicht, besonders bei billiger Importware von außerhalb Europas, weil sie in Tests immer wieder hoch belastet war.
Es muss nicht neu sein. Gebraucht, generalüberholt, geliehen oder repariert ist fast immer die bessere Wahl. Mehr dazu weiter unten.
Mit der kostenlosen ToxFox-App des BUND kannst du Spielzeug, Kleidung, Elektrogeräte und andere Alltagsprodukte vor dem Kauf auf Schadstoffe prüfen.
Diese Siegel helfen weiter
Das Umweltbundesamt empfiehlt fünf Siegel, mit denen man im Alltag gut zurechtkommt, nämlich das EU-Energielabel, das Bio-Siegel, das EU Ecolabel, den Blauen Engel und den Grünen Knopf. Für Geschenke kommen ein paar weitere dazu.
| Siegel | Wofür es steht |
|---|---|
| Blauer Engel | Umweltfreundlichere Produkte, etwa Hefte, Karten oder Geschenkpapier aus Altpapier |
| EU Ecolabel | Das Umweltzeichen der EU, unter anderem für Seife, Duschgel und Papier |
| EU-Bio-Siegel | Ökologischer Landbau, etwa bei Tee, Kaffee, Schokolade und Gewürzen |
| Fairtrade | Mindestpreise für die Erzeuger, etwa bei Kakao, Kaffee und Baumwolle |
| Grüner Knopf, GOTS | Textilien, die sozial und ökologisch geprüft sind |
| FSC, PEFC | Holz und Papier aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, etwa Spielzeug, Bretter und Bücher |
Bei Schokolade lohnt sich ein genauer Blick. Der WWF empfiehlt Bio-Schokolade, die zusätzlich ein Siegel wie Fairtrade oder Rainforest Alliance trägt. Fairtrade garantiert den Bäuerinnen und Bauern einen Mindestpreis pro Tonne Kakao, Rainforest Alliance hat dafür ein Kriterium zum Schutz der Wälder. Kennst du ein Zeichen nicht, hilft das Portal Siegelklarheit.de beim Einordnen, auf das auch das Umweltbundesamt verweist.
Greenwashing erkennen
Seit dem 27. September 2026 gelten in Deutschland strengere Regeln für Werbung mit Umweltaussagen. Allgemeine Versprechen wie "umweltfreundlich", "klimaneutral" oder "nachhaltig" sind nur noch unter strengen Voraussetzungen erlaubt, und das gilt für Hersteller wie für Händler. Lässt sich eine solche Aussage nicht nachweisen oder beruht sie auf Kompensation, also etwa auf gekauften CO2-Zertifikaten, ist sie unzulässig. Ein Nachhaltigkeitssiegel muss entweder von staatlichen Stellen festgelegt sein oder auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen. Selbst erstellte Fantasie-Siegel von Unternehmen sind damit nicht mehr erlaubt.
Für dich heißt das, dass du ein unbekanntes Zeichen ruhig hinterfragen kannst. Steht keine Prüfstelle dahinter, ist es eher Dekoration als Beleg.
Ein Klassiker unter den vermeintlichen Öko-Geschenken hält außerdem nicht, was er verspricht. Bambusgeschirr bestand laut Verbraucherzentrale oft aus Bambusmehl und Melamin- oder Formaldehydharz, aus dem beim Erhitzen Melamin und Formaldehyd ins Essen übergehen können. Bambus als Bestandteil von Kunststoff war nie zugelassen. Seit Februar 2025 dürfen auch Kunststoffe mit Holzmehl, Holzfasern oder Stroh nicht mehr mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Restbestände dürfen Händler aber noch verkaufen. Geschirr aus Glas, Porzellan oder Edelstahl ist die bessere Wahl.
Nachhaltige Geschenkideen für jede Person
Gute Ideen entstehen aus dem, was die Person mag und schon hat. Die folgenden Vorschläge kannst du an Interessen und Budget anpassen.
Für Freunde
Gemeinsame Zeit, etwa ein Picknick, ein Kochabend oder ein Tag am See. Dazu Bio-Schokolade mit Fairtrade-Siegel oder ein Ersatz für etwas, das abgenutzt ist, wie die Lieblingstasse mit dem Sprung.
Für den Partner oder die Partnerin
Ein Wochenende mit der Bahn, ein Kurs, den ihr zusammen macht, oder ein gutes Stück, das lange hält, etwa ein Messer, das sich nachschleifen lässt, oder eine Edelstahlflasche für jemanden, der viel unterwegs ist.
Für Kinder
Projekte, bei denen etwas wächst oder entsteht. Ein Vogelhäuschen, das ihr zusammen baut, Samenkugeln für den eigenen Balkon oder Garten, am besten mit Saatgut heimischer Wildblumen, Holzspielzeug mit FSC- oder PEFC-Siegel oder gut erhaltene Bücher und Spiele aus zweiter Hand.
Für Eltern und Großeltern
Zeit statt Zeug, zum Beispiel ein gemeinsamer Kochabend, bei dem du hinterher abspülst, wie der WWF vorschlägt. Oder du lässt etwas reparieren, an dem sie hängen.
Für Kolleginnen und Kollegen
Kleines, das gebraucht wird. Das Themenportal Nachhaltige Beschaffung nennt Bleistifte mit Pflanzensamen, Notizbücher aus Recyclingpapier, Trinkflaschen aus Edelstahl und Naturseife in recyceltem Papier.
Zur Hochzeit
Ein Beitrag zur Reisekasse oder zu einem Wunsch auf der Liste des Paares, ein Baum für den Garten oder ein Erlebnis zu zweit. So landet nichts Doppeltes im neuen Haushalt.
Selbstgemachtes kommt besonders gut an, wenn es benutzt wird statt herumzustehen. Der WWF nennt als Beispiele einen mit dem Lötkolben verzierten Kochlöffel, der fast täglich aus der Schublade geholt wird, selbst gekochte Marmelade, ein Futterhäuschen für den Winter und Bienenwachstücher, die jeden Tag mit ins Büro oder in die Schule gehen.
Für Menschen, die gern gärtnern oder kochen, findest du weitere Ideen in unseren Geschenkguides.
Verschenkt deine Firma etwas an Kunden oder Geschäftspartner, kommen eine steuerliche Grenze und Fragen zu Logo und Budget dazu. Beides erklären wir in unserem Artikel über Werbegeschenke.
Zeit statt Zeug
Gemeinsame Zeit nennt das Umweltbundesamt das wertvollste Geschenk. Es muss nichts Teures sein. Der WWF schlägt ein Camping-Wochenende mit der Familie, ein liebevoll vorbereitetes Picknick oder gemeinsames Drachensteigen vor. Damit es nicht beim Gutschein bleibt, macht ihr am besten gleich einen festen Termin aus.
- Ein gemeinsamer Besuch im Theater, im Kindertheater, in einer Ausstellung oder bei einem Konzert.
- Eine Patenschaft oder Spende im Namen der Person, für ein Projekt, das ihr am Herzen liegt.
- Ein digitaler Gutschein für eine Veranstaltung oder einen Kurs vor Ort. Das spart Papier und Versand.
- Hilfe bei etwas, das die Person ungern macht, etwa Fenster putzen, Steuerordner sortieren oder beim Umzug mit anpacken.
Auch ein religiöser Dienst kann ein Geschenk ohne Gegenstand sein. Der Anbieter Badal Umrah verrichtet die Umrah, die kleine Pilgerreise nach Mekka, stellvertretend für andere Menschen. Das kann zum Beispiel ein Geschenk für Eltern sein, die die Reise selbst nicht mehr antreten können. Sprich vorher mit ihnen darüber, denn bei religiösen Fragen hat jede Familie ihre eigene Sicht.
Plane bei Erlebnissen die Anreise mit. Das Umweltbundesamt rät, für Besuche bei Familie und Freunden möglichst Bus und Bahn zu nehmen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Mehr Ideen stehen in unserem Artikel über Erlebnisgeschenke.
Wie aus einem Zeitgutschein ein Termin wird, der wirklich stattfindet, steht in unserem Artikel über gemeinsame Zeit.
Gebraucht, geliehen, repariert
„Das nachhaltigste Produkt ist immer eines, das nicht neu hergestellt werden muss.“
Die ADEME hat das in Zahlen gefasst. Ein gebrauchtes statt eines neuen Spielzeugs spart im Schnitt etwa fünf Kilogramm CO2-Äquivalente, ein generalüberholtes statt eines neuen Smartphones bis zu 49 Kilogramm. Das Umweltbundesamt rät, das bei der Übergabe ruhig offen anzusprechen. Viele finden gerade die Geschichte eines Stücks schön.
Secondhand und refurbished
Spielsachen, ein Smartphone für Teenager, eine Yogamatte oder ein antiquarisches Buch. Bei Elektronik suchst du nach dem Begriff "refurbished", so findest du aufbereitete Geräte.
Weitergeben
Die kleine Schwester bekommt das Lieblingskleidungsstück, der Cousin die Spielzeugburg, für die der Teenager zu alt geworden ist. Auch das sind Beispiele des WWF.
Leihen statt kaufen
Bohrer, Dachbox oder Sportgeräte braucht man selten. Laut Verbraucherzentrale leiht man sie oft kostenlos oder für wenig Geld, etwa in Stadtbibliotheken, Nachbarschaftsinitiativen oder im Verein. Statt des Zelts für den einen Campingurlaub schenkst du also ein Wochenende, und das Zelt leiht ihr euch.
Bei kommerziellen Verleihern ist der Nutzen für die Umwelt dagegen oft fraglich. Gerade bei Smartphones, Tablets oder Spielekonsolen tauschen sie beschädigte Geräte laut Verbraucherzentrale schnell gegen neue aus.

Eine schöne Idee ist eine Reparatur. Rund 1.900 Repair-Cafés listet die Seite reparatur-initiativen.de nach Angaben der Verbraucherzentrale in Deutschland. Dort reparieren versierte Hobbyhandwerkerinnen und Hobbyhandwerker zu festen Terminen defekte Geräte. Bis auf eventuelle Ersatzteile ist das kostenlos. Eine Garantie gibt es nicht, und meist unterschreibst du vorher eine Erklärung zur begrenzten Haftung. Bring zum Beispiel das alte Radio deines Vaters hin. Klappt die Reparatur, bekommt er sein Lieblingsstück als Geschenk zurück.
Plastikfrei verpacken
Die Verpackung spielt laut Umweltbundesamt im Vergleich zum Geschenk selbst nur eine kleine Rolle. Trotzdem ist sie das Erste, was im Müll landet, und hier kannst du ohne Aufwand etwas ändern.
Nimm, was schon da ist. Schachteln, Beutel, Tücher oder Geschenkpapier vom letzten Mal. Wenn du vorsichtig auspackst, kannst du das Papier wieder benutzen. Kaputtes Geschenkpapier gehört ins Altpapier.
Kauf neues Papier mit Blauem Engel. Geschenkpapier kann laut BUND Cadmium, Blei oder Chrom(VI)-Verbindungen enthalten. Auch hier gibt die ToxFox-App Auskunft.
Verzichte auf Glitzer. Glitzerpartikel bestehen häufig aus Kunststoff und können als Mikroplastik in der Umwelt landen.
Nimm kein Geschenkband aus Plastik. Der BUND rät zu Paketschnur oder Bast, üppiger wirken breite Streifen aus Krepppapier. Bänder aus Stoff kannst du aufheben und immer wieder verwenden.
Lass "kompostierbare" Tüten liegen. Tüten aus Biokunststoff werden laut Verbraucherzentrale in den meisten Kompostwerken aussortiert und zerfallen im heimischen Kompost kaum. Besser ist eine Tasche, die mehrfach genutzt wird, etwa aus Stoff.
Pack in Stoff ein. Beim japanischen Furoshiki schlägst du das Geschenk in ein Tuch ein. Ein schönes Geschirrtuch oder Halstuch ist dann gleich Teil des Geschenks.
Gestalte selbst. Zeitungen, Plakate oder Kinderzeichnungen eignen sich als Geschenkpapier, mit einem Kartoffeldruck wird daraus ein Einzelstück. Ein Tannenzweig oder ein Anhänger aus Bienenwachs ersetzt die Schleife.
Auch der Inhalt kann ohne Plastik auskommen, etwa eine Seife am Stück mit Seifenschale aus Keramik, Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie oder ein Glas mit selbst gemischtem Gewürz. Solche Dinge passen auch zu Menschen, die mit wenig Besitz leben. Weitere Ideen für sie stehen in unserem Artikel über Geschenke für Minimalisten.
Weniger schenken in der Familie
In großen Familien hilft oft eine einfache Absprache. Beim Wichteln zieht jede Person einen Namen und beschenkt nur diesen einen Menschen. Nach Schätzung der ADEME lassen sich damit Emissionen in der Größenordnung von 34 Kilogramm CO2-Äquivalenten vermeiden, und jeder bekommt ein Geschenk, über das jemand länger nachgedacht hat. Wie das fair und ohne Streit klappt, erklären wir in unserem Artikel zu den Wichtelregeln.
Wenn dir die passende Idee fehlt
Die schwierigste Frage beim nachhaltigen Schenken bleibt, ob das Geschenk wirklich zur Person passt. Dabei hilft der Geschenkfinder von Recogift. Er fragt nach der Person, dem Anlass, dem Budget und ihren Interessen und schlägt dann Ideen mit einer Begründung vor. Ob ein Produkt nachhaltig ist, prüft er nicht. Wenn du aber weißt, welche Art Geschenk ankommt, suchst du dir die gebrauchte, reparierte oder fair hergestellte Version davon. Du brauchst kein Konto, und die Höhe einer Provision beeinflusst weder die Bewertung noch die Reihenfolge. Wie du in fünf Schritten zum passenden Geschenk kommst, steht in unserem Artikel dazu.
Quellen
- Besondere Geschenke (öffnet in neuem Tab)
- Fêtes de fin d'année : quel poids dans votre bilan carbone ? (öffnet in neuem Tab)
- Grüne Weihnachten: Tipps für nachhaltige Feiertage (öffnet in neuem Tab)
- Labelratgeber: TOP-Umweltsiegel für den nachhaltigen Konsum (öffnet in neuem Tab)
- Kakao als Rohstoff: Kakaobaum bis Konsument:in (öffnet in neuem Tab)
- Zertifiziert, recycelt, ressourcensparend: Ideensammlung für nachhaltige Give-aways (öffnet in neuem Tab)
- Schöne Bescherung - Nachhaltige Geschenke giftfrei verpackt (öffnet in neuem Tab)
- Nachhaltigkeitssiegel und Werbung mit Umweltaussagen (öffnet in neuem Tab)
- Küchenutensilien aus Holz - das sind die Vor- und Nachteile (öffnet in neuem Tab)
- Kompostierbare Plastiktüten: Sind sie wirklich umweltfreundlicher? (öffnet in neuem Tab)
- Nachhaltige Weihnachtsgeschenke: klimafreundlich schenken (öffnet in neuem Tab)
- Selten genutzte Alltagsgegenstände leihen statt kaufen (öffnet in neuem Tab)
- Repair-Cafés: Reparieren statt Wegwerfen (öffnet in neuem Tab)
- Umrah in Stellvertretung für Ihre Liebsten (öffnet in neuem Tab)









